Die Vorarbeiter

Fünf Phonoverstärker, ein Übertrager, sechs verschiedene Konzepte - nie war die Auswahl für den engagierten Analog-Fan größer als heute.

Während die Diskussion um die hochauflösenden Digitalformate immer noch anhält und ein Ende nicht absehbar ist, geben die Musikliebhaber dem vorhandenen, ausgereiften und hochauflösenden “System Analog” wieder verstärkt den Vorzug. Da die Schallplattenverkäufe kontinuierlich zunehmen, tauchen im Windschatten dieser Entwicklung wieder vermehrt neue Produkte zur analogen Wiedergabe auf dem Markt auf - eigentlich unglaublich, aber wunderbar. Ich persönlich finde sogar, dass die Produktauswahl nicht mal zu den analogen Hochzeiten dermassen üppig war wie heute, von den klanglichen Werten gar nicht zu reden.
Eine knifflige analoge Spezies sind nach wie vor die Phonovorverstärker, die das schwache Signal der Tonabnehmer verstärken und zudem entsprechend der RIAA-Kurve geradebiegen müssen. Fünf davon haben sich zum Vorspiel eingefunden, jeder einzelne durchaus speziell zu betrachten. Dazu gesellte sich noch ein MC-Übertrager, also ein passives Element, das die winzigen Signale von MC-Tonabnehmern auf MM-Niveau anhebt, so dass auch Röhren- MM-Eingänge mit Moving-Coil-Systemen als Signalliferanten klarkommen. Unser Testmodell ist speziell für den Denon-Klassiker DL 103 ausgelegt, mit welchem auch die Hörtests erfolgten. Die für die anderen Tests verwendeten Systeme waren bei den Moving-Magnet-Tonabnehmern Shure V 15 V MRx und Ultra 500, Ortofon Vinyl Master Silver, Garrott Decca Grey, AEC/ Decca Jubilee und Mono. Die Gruppe der Moving Coils wurde vertreten durch Denons DL 103, das Audio Technica OC 30 sowie das ZYX RS 30 und Lyras Argo. Gehört wurden die Phonoverstärker in meinen beiden Anlagen, um zu einer möglichst breit abgesicherten Aussage zu kommen. Alle fünf Phonostufen liefen über mehrere Wochen am Netz, waren also zum Testzeitpunkt bestens eingespielt.

AcousticPlan PhonoMaster

Also, ganz ehrlich, ich kannte AcousticPlan aus Konstanz bislang nicht, aber das geht wohl nicht nur mir so. Hinter der Firma steht Musikliebhaber Claus Jäckle, und weil der mit dem, was es so zu kaufen gab, nicht recht zufrieden war, hat er sich selbst ans Werk gemacht. So entstand eine eigenständige Produktlinie, unter anderem mit dem PhonoMaster.
Bei der Entwicklung dieses Phonoverstärkers scherte man sich nicht um Konventionen und kreuzte munter Bauweisen, stets unter der Prämisse, dass es gut klingen muss. Transistoren und Röhren werden je nach Aufgabenstellung eingesetzt. Ein MM- und ein MC-Tonabnehmer sind anschliessbar, umgeschaltet wird per Kippschalter an der Rückseite. Ein zweiter Schalter bietet die Anpassung an laute und leise MCs. Der MC-Eingang ist als Stromverstärker ausgelegt, damit sind Anpassungsspielereien unnötig. Die verwendeten EC 86 Röhren sind völlig unüblich in diesem Bereich, aber letztlich zählt das, “was hinten rauskommt”. Die frei obenauf stehenden vier Röhren erfordern ein luftiges Plätzchen, am besten neben dem Plattenspieler, und an die Rückseite sollte man wegen der dort platzierten Umschalter gut hinkommen.
Der PhonoMaster ist unkapriziös - hinstellen, anschliessen und (nach ein paar Tagen Einspielzeit, das muss sein) mit Genuss Musik hören. Als MCs waren ZYX RS 30, Audio Technica ART 1 und Lyra Argo sowie Titan im Einsatz. Das Titan spielt in einer ganz anderen Liga und bot, obschon nicht ausgereizt, ein exquisites Hörvergnügen. Mit den anderen, passenden Kandidaten machte der PhonoMaster jeweils klar, welches System ihn versorgt und legte die Eigenarten deutlich offen. Kräftig, druckvoll und mit einer grosszügigen, in sich gefestigten Raumdarstellung malte er schön plastische Klangbilder. Mit den Vertretern der MM-Riege ist Ähnliches zu berichten. Einen Tick mehr Druck im Bass kann man auch den jeweiligen Arm-/ Systemkombinationen zuschreiben, ansonsten auch hier schöne Konturen, reichlich Auflösung und eine solide Anordnung der Akteure im Raum.
Ob mit MM oder MC gehört wurde, war unerheblich für die Gesamtdarstellung, die sehr schlüssig und farbig ist, über den gesamten Frequenzbereich ausgewogen und fein aufgelöst. Der PhonoMaster zeigt klar auf, ob ein Tonabnehmer “nur” Informationen aus der Rille liest oder auch Emotionen zu transportieren vermag. Ein sehr feines Gerät, das die Preisklasse bereichert - für den ambitionierten Analoghörer mit Tendenz zur Röhre eine klare Empfehlung.

Helmut Rohrwild