Verstärker und Lautsprecher von AcousticPlan
Good Life...
von Andreas Limbach

Vorgeschichte
Als ich im Dezember des vorangegangenen Jahres die Produkte von AcousticPlan zum erstenmal sah, konnte ich mich ihrer Faszination nicht entziehen. Ihre Schlichtheit und Eleganz übten eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Sie werden sich jetzt fragen, wer oder was ist AcousticPlan. Nun, der Headmaster, der hinter diesem Namen steckt, ist Claus Jäckle. Er ist seit mehr als 15 Jahren “dem Klangerlebnis” auf der Spur, vergaß dabei nie die Leidenschaft zur Musik, die er bestmöglich reproduziert haben wollte. Neben seiner Ausbildung zum Industrie-Elektroniker experimentierte und bastelte er zunächst für seinen eigenen Bedarf. Aufgrund seiner technischen Begabung entwickelte er Lautsprecher und Verstärker für Freunde und Bekannte. Der ständige Weiterentwicklungsfluss bei Jäckle und seine daraus resultierenden Ergebnisse führten schliesslich 1996 zur Gründung der Firma AcousticPlan.
Die klanglich aufeinander abgestimmte Aktiv-Anlage, die ich Ihnen hier vorstelle, besteht aus der Vorstufe Sarod, den zwei Stereoendstufen Santor (inkl. den Aktiveinschüben) und den Lautsprechern Raga, diese Kombination stellt die jüngste Evolutionsstufe der Firma AcousticPlan dar. Geplant ist ein kleiner Vollverstärker, der, ich drück die Daumen, im Prototypenstatus schon bald vorgestellt werden soll. Schon das Auspacken der Geräte ist ein Genuss. Die Anfassqualität der Vor- bzw. Endstufen wird durch die aus CNC-gefrästen, blauen Aluminiumplatten unterstützt.
Die Frontseite der Vorstufe unterbrechen nur drei Knöpfe in ihrer Ganzheitlichkeit. Damit bleibt eine Verwechslungsgefahr aussen vor. Der oberste Drehknopf dient der Stromzufuhr – durch eine technische Finesse kann man die Vorstufe über ein Remote-Kabel mit den Endstufen verbinden und so zeitgleich deren Betätigung oder Zwangspause steuern. Der Betriebszustand wird mittels einer blauen LED gemeldet. Es folgt mittig der Eingangswahlschalter, mit dem man drei Hochpegelquellen anwählen kann. An den Liebhaber der guten alten Vinylscheibe wurde selbstverständlich auch gedacht: grossen Wert legt Claus Jäckle auf seine Phonostufe. Die integrierte Lösung erspart nämlich die Anschaffung externer Entzerrervorverstärker. Obwohl viele Analogis auf externe Geräte schwören, die Vorteile kann ich hier in ihrer Gesamtheit nicht aufführen, widersetzt sich der Entwickler aus Konstanz diesem Votum. Das klangliche Ergebnis gibt ihm denn auch recht (die Entzerrung der MM/ MC-Signale erfolgt passiv über engtolerierte Widerstände und Zinnfolienkondensatoren). Die Anpassung an gängige Tonabnehmersysteme ist kein Problem. Exoten hingegen haben es hier genauso schwer wie bei allen anderen Mitbewerbern auch. Die Qualität der Entwicklung ist schnell bewiesen: ein Ortofon Rohmann klingt präzise und mir persönlich ein wenig zu kühl. Doch an diesen ganz typischen Charakteristika lässt AcousticPlan keinen Zweifel. Die Geschmeidigkeit und Klangfarbenvielfalt eines Benz-Tonabnehmers kommt wieder voll zum tragen. Ebenso weiss ein Goldring mit einem sehr homogenen und natürlichen Klangbild zu überzeugen. Der Wiedergabe ist eines gemein: in den Bässen schlank und präzise, hochauflösend in Mitten und Höhen. Dadurch entsteht eine sehr klare Abbildung, die viel Luft zwischen den einzelnen Instrumenten belässt. Die frische Spielweise und die Detailfreudigkeit verweisen ebenfalls auf das hier erreichte hohe Niveau.
Im Vergleich zu den Hochpegeleingängen ist schon ein Unterschied wahrnehmbar. Allerdings nicht in dem Sinne, dass man nun nur noch die eine oder andere Primärquelle hören möchte. Das Flair, das nur wirklich gutes analoges Equipment in der Lage ist zu verbreiten, verschafft sich Raum. Es ist dieses gewisse Extra, das die Seele in der Musik erwachen und den Zuhörer hinschmelzen lässt. Allerdings empfehle ich, keine kühlen und sehr feinzeichnenden Tonabnehmer zu verwenden. Mir persönlich gefällt die Wiedergabe dann nicht mehr, weil sie an Wärme verliert und unpersönlich scheint. Die Phonosektion ist nach meinen Erfahrungen sehr gut gelungen und passt genau in das stimmige Gesamtkonzept von AcousticPlan.
Weitere Besonderheit ist die zweistufig schaltbare Empfindlichkeit (high und low) der drei Hochpegeleingänge auf der Rückseite der Vorstufe sowie der Groundschalter, mit welchem Brummprobleme behoben werden können. Die von mir zuvor erwähnte Eleganz setzt sich bei den Endstufen und den Lautsprechern fort. Nur ein On/ Off-Schalter in Drehform ziert die Front der Santor. Da es sich um eine Aktivvariante handelt, ist der eine Zweig der Stereoendstufe nur für den Mittelhochton, der andere nur für den Tiefton zuständig.
Laut Prospekt handelt es sich bei den Lautsprechern um “Quasipunktstrahler”, die im Bassbereich durch ein Reflexsystem unterstützt werden. Raga ist etwa ein Meter hoch und im oberen Bereich sechseckig, was Reflexionen vermindern soll. Ihre Empfindlichkeit wird mit 90 dB angegeben, was aber aufgrund der Aktivierung von untergeordneter Bedeutung ist, da die meisten Verluste in der passiven Weiche zu sehen sind. Die Vogelahornausführung, die ich zur Verfügung hatte, machte neben dem akustischen auch einen prima optischen Eindruck.
Jäckle geht davon aus, dass sich das Klanggeschehen durch die Breitbandchassis besser von den Boxen ablöst, da keine Trennung der Übertragungsbereiche, wie bei den üblichen Konzepten, stattfindet. Damit einhergehend entstehen oftmals Phasenverschiebungen, die ein Klangbild zerrissen wirken lassen können. Wie ich aus eigenen Erfahrungen weiss, haben Breitbänder einen hohen Suchtfaktor, sind aber mit Fehlern behaftet, die meist mehr oder weniger ohrenfällig sind.
Diese konnte ich hier nicht verzeichnen. Eine gewisse Nasalität, die man den Breitbandkonzepten nachsagt, fehlt diesen Lautsprechern ganz einfach. Da die kleinen Breitbandchassis keine tiefen Frequenzen wiedergeben können, werden sie von einem Tieftöner unterstützt. Nach meinem Geschmack eine ganz runde Sache.
Kommentar:
Als Signallieferant fungiert im wesentlichen mein Cary Audio CD 301, den ich mit dem NF-Kabel von Acoustic Balance (Black) an der Sarod anschloss. Die Interconnection zwischen Endstufen und Raga fand mittels Phonosophie LS 4 statt. Nach dem Anschalten wollte es noch nicht richtig klingen, der Klang löste sich nicht erwartungsgemäss von den Boxen. Was hatte ich falsch gemacht? Nun, da es sich um Breitbandlautsprecher handelt, somit um Direktstrahler, musste ich sie nur zum Hörplatz hin einwinkeln, und eine Distanz zur Rückwand von 70 cm erbrachte wahre Wunder. Was nun folgt, ist Genuss pur.

Hörerlebnis: Beginnen wir mit Stimmenwiedergabe. Auf dem Sampler der Chieftains, The long black Veil, RCA 7432125167 2 – gesungen werden hier irische, gälische sowie keltische Stücke -, erlebt man im ersten Take der CD, “Mo Ghile Mear”, einen untypischen Sting. Ich habe ihn zuvor nicht in dieser Intensität gehört – der irische Nationalheld, der im Ruhme des Prinzen Charles Stewart starb, wird‘s ihm danken; dies ist sicher ein Verdienst der Gesamtanlage. Sting beginnt dieses Lied mit 30 Sekunden a capella, gefolgt von einer hinten rechts erklingenden fellbespannten Trommel, die dann von den typischen irischen/ keltischen Instrumenten unterstützt wird. Sofort richten sich meine Nackenhaare auf, denn noch eindringlicher kann ein Wehklagen nicht vermittelt werden. Die Wiedergabe beginnt etwa 1,5 bis 2 m hinter der imaginären Linie der Anlage, die zwischen den Lautsprechern aufgebaut ist – ja, auch ich muss mich den wohnlichen Gegebenheiten unterwerfen – und weitet sich nach hinten weiter aus. Die Lautsprecher als solche scheinen akustisch “gänzlich weg”.
Meine Frau kommt ins Zimmer und sagt wissend: “Tolle CD, oder?”. Ausgesucht hat sie diese vor Jahren auf der High End Vorführung einer schottischen Firma, deren gewandter Vertreter uns charmant diese CD vorstellte. Recht hat sie, denn über diese Kette kann ich das Stück nicht nur begreifen, sondern erhalte einen Zugang zur Musik. Dies gelingt andern Komponenten nicht immer, sie sezieren meist den Klang und fächern diesen dann mir wieder scheibchenweise zu. Das Ganze wird dann sehr schwer zugänglich.
Nach solch einer Kost ist etwas Fröhlicheres angesagt: Changing your demeanou, Chieftains themselfs, ebenfalls vom o.g. Sampler, drückt für mich diese typische Spielfreude der Iren aus. Nun sitze ich mitten im Irish-Pub und geniesse mein Guiness. Meine Ohren folgen dem stimmungsvollen Vortrag. Besonders gefällt mir das Kommunizieren der Musiker miteinander. Pipes und Flutes und dieser prägnante Männergesang zeichnen dieses Lied aus. Alles stimmt, um mir die Illusion des Dabeiseins zu vermitteln. Das zweite Guiness, bitte!
Szenenwechsel – ich befinde mich gerade auf Hawaii, wo Taj Mahal and the Hula Blues, T&M 009, im Stück “The Calypsonians” die Vorteile dieser insulanischen Lebensweie erklären möchten; zu Hilfe nimmt er die Komponente von AcousticPlan, die den Groove des Titels nicht verschleppen und die ausdrucksvolle Stimme Taj Mahals – man, hat der einen Slang am Leib! – gekonnt in Szene setzen. Neben dem ganzen Treiben behält die Aktivvariante stets den Überblick, nichts verrutscht von seinem Platz. Angewurzelt steht der grosse Farbige im Raum, der akustisch eher trocken ist. Begleitet wird er von zum Teil hawaiianischen Instrumenten, die die Würze des Stücks ausmachen. Einfach ein gutes Mittel unserer stressigen multi-medialen Welt zu entfliehen. Wo, bitte habe ich denn meinen Cocktailshaker?
Nach soviel Einnebelung mit suchtgefährlichem Material will ich wissen, ob es auch mit der Raumarchitektur stimmt. Zu Rate ziehe ich: Dave True Story, Chesky JD 189, das Stück “Misery”. Dieser leichte Swing, der perfekt vom Tontechniker in der St. Peters Episkopal Kirche mit all seinen kleinen Facetten von Raumanteilen und Details aufgenommen wurde und einfach toll wiedergegeben wird. Man erfährt das Ausschwingen der einzelnen Töne. Die Stimme von Kelly Flint ist extrem klar und doch zerbrechlich; wenn dann Dave Cantor mit seiner Gitarre beginnt, überkommt mich wieder dieses Kribbeln im Bauch... Nichts tritt in den Vordergrund, alles spielt miteinander und füreinander. So, stelle ich mir vor, geriete das als Liveerlebnis. Dem hat bestimmt keiner mehr etwas zuzufügen.
Erneut prüfe ich ihre Toleranz, denn mit Yello’s “pocket universe”, Mercury 534 353-2, kann nicht jeder etwas anfangen, aber mit den Stücken: Solar driftwood, Celsius und more will ich noch einmal die Schnelligkeit und die Bassfähigkeit “erleben”. Schon beim Eingangstitel bin ich  von der sonoren Stimme Dieter Meiers beeindruckt, die feinabgegrenzt im Raum steht und sehr zwingend daherkommt. Weiter gehts mit Celsius... als mir die Basslinien entgegenpeitschen, bin ich überzeugter Anhänger des Vollaktivkonzepts. So schnell hab ich dieses Stück noch nicht erlebt. Das Gesumme aus den Computern, Klangkollagen und Wortgeschnipsel – all dies wird exemplarisch gut wiedergegeben. Sie werden sich nun fragen, ob ich noch alle beisammen habe, aber auch Hochpreiskomponenten dürfen den Spass am Hören solcher Klänge nicht zerstören. Man sollte nicht nur “Klanggezirpe” damit hören können.
Stimmt die Wiedergabe auch bei kleiner Besetzung? Nach überstandener Krankheit spielt Keith Jarrett, The melody at night with you, ECM 1675 547 949-2, im Stück “I love you Porgy”, als wäre er nie angeschlagen gewesen. Die Faszination seiner fliessenden Vortragsweise wird durch die AcousticPlan Komponenten nur noch unterstützt. Und wieder sind es die ausklingenden Töne, die das Ganze abrunden. Nie nervt der Vortrag, nie ist er langweilig, immer finden die “Hörobjekte” den goldenen Mittelweg.
Erneut ein Wechsel zum Blues... Als 1992 Eric Clapton für MTV eine “unplugged”- Einspielung vorlegte, Reprise 9362-45024-2, musste ich diesen Vortrag einfach haben. Besonders gefällt mir “old love”, obwohl gleich zu Beginn des Titels meine CD einen Pressfehler hat, denn es scheint so, als fehle mir ein Stück??!! Aber, das ist nicht der Gegenstand dieser Besprechung. Wenn dann Clapton so richtig abgroovt, fehlt dem live Erlebnis nur noch der visuelle Touch. Gehörmässig gibt’s nichts zu bekritteln. Filigrane Gitarrenarbeit wechselt sich immer mit den Begleitinstrumenten ab. Dahinter stets das bestimmende Schlagzeug und nicht zu vegessen: ein gut gelaunter Eric Clapton. Ich wäre gern bei dieser Einspielung live dabei gewesen, aber als Ersatz genügt mir die Kreation von Claus Jäckle...
Sie merken, ich berichte nicht über die einzelne Auflösung von Instrumentenklängen, ob genug oder zu wenig von dem einen oder anderen vorhanden ist (Bass, Mitten oder gar Höhen) – ich bin der Meinung, dass man dies in dieser Preisliga unter Selbstverständlichkeit “händeln” kann, oder?
Fazit: Jäckles Aktivkreation stellt eine sehr gut aufeinander abgestimmte Anlage dar, die manches Liveerleben fast schon erübrigt. Sie stellt ihren Dienst der Musik zur Verfügung, ohne selbige zu verändern. Das Konzept der Breitbandchassis mit Erweiterung im Tieftonbereich ist ein “legales Suchtmittel”, das nicht vom Arzt oder Apotheker verschrieben werden kann. Neben dieser akustischen Eleganz stimmt auch die optische. Ich hoffe, der Vollverstärker bekommt auch ein Stück dieser Strahlkraft ab... und dann wären da wieder viele solcher “good-life-Tage...